
Schimmelbefall in Altbauten – Was kann getan werden, wenn ältere Mehrfamilienhäuser unter wiederkehrendem Schimmelbefall leiden, eine Totalsanierung für die Eigentümer aber keine Lösung darstellt? Ein Beispiel aus der Praxis.
Schimmelfrei dank energetischer Teilsanierung
Eine energetische Gesamtsanierung älterer Wohnhäuser verursacht Investitionskosten, die vor allem bei Mietshäusern an ungünstiger Lage oft nicht vorhanden sind. Daher wird häufig auf Einzelaktionen zurückgegriffen. Zum Beispiel können neue Fenster die Energiekosten erheblich senken, jedoch erhöht sich dadurch das Risiko von Schimmelbildung an Wärmebrücken wie Außenecken und Leibungen. Die Raumfeuchtigkeit steigt aufgrund besserer Dichtungen, und Kondenswasser bildet sich nicht mehr an den Fenstern, sondern an den schwächeren Stellen. Dieses Problem ist Hausverwaltungen und Eigentümern nur allzu bekannt: Schimmel tritt mal hier, mal dort auf, und daher wird jedes Jahr innerhalb des verfügbaren Sanierungsbudgets nachgebessert.
Ein Beispiel aus einem Mehrfamilienhaus
In einem Mehrfamilienhaus, bestehend aus zwei nebeneinanderliegenden Gebäuden an einer Hauptstraße mit insgesamt achtzehn Wohnungen aus dem Jahr 1969, wurden jedes Jahr rund 12.000 Franken für lokale Schimmelsanierungen und bis zu 8.000 Franken für den damit verbundenen Verwaltungsaufwand aufgewendet. Trotz wiederholter Hinweise zum richtigen Lüften nahmen die Vorfälle nicht wesentlich ab. Selbst die Beauftragung einer auf Schimmelsanierung spezialisierten Malerfirma konnte die Situation nicht signifikant verbessern.
Analyse der Situation
Schließlich wurde ein auf Altbau-Sanierungen spezialisierter Bauphysiker / Baubiologe hinzugezogen. Als Sofortmaßnahme wurden die problematischen Wärmebrücken in den sechs am häufigsten betroffenen Wohnungen intern saniert. Das Ziel war jedoch, eine langfristige Lösung zu finden, deren Kosten sowohl durch den Wegfall zukünftiger Schimmelsanierungen als auch durch Energieeinsparungen finanzierbar sein sollten.
Schimmelfreiheit erreicht
Da eine von einer Ingenieurin und diplomierten Energieberaterin empfohlene Gesamtsanierung für die Eigentümer nicht bezahlbar war, wurde die Sanierung an ein kostenoptimiertes Konzept angepasst. Der Kostenvoranschlag wurde dann einer Rentabilitätsberechnung gegenübergestellt, um festzustellen, ob die Einsparungen bei zukünftigen Schimmelsanierungen und Energieverbrauch die Investitionskosten rechtfertigen können.
Außendämmung
Zuerst wurden die weniger sonnenexponierten Nord- und Ostfassaden gedämmt, da diese Bereiche die meisten Schimmelvorfälle und Wärmebrücken aufwiesen. Die Westseite war bereits zuvor gedämmt worden. Für die Dämmung wurden 18 Zentimeter dicke HAGA-Biokorit-Dämmplatten (gebackener Kork) und mineralischer Dickschichtputz verwendet. Dieser Aufbau ermöglicht weiterhin die Dampfdiffusion (die Mauern können weiterhin „atmen“) und ist sehr widerstandsfähig gegen Algen- und Schimmelbefall an schattigen Fassaden. Auch die Keller- und Garagendecken, die den höchsten Energieverlust und kritische Wärmebrücken in den Erdgeschosswohnungen verursachten, wurden gedämmt. Für diese Dämmung wurden konventionelle Mineralwolldämmplatten verwendet. Auf die aufwendige und teure Dämmung der gut belichteten Südseite und den damit verbundenen Rückbau und Neubau der Balkone wurde verzichtet.
Lüftung
Als wichtige begleitende Maßnahme wurde nach einer Möglichkeit gesucht, einen automatischen und kontrollierten Abbau der Luftfeuchtigkeit in allen Wohnungen zu erreichen. Die Lösung bestand in einem einfachen und kostengünstigen System mit jeweils zwei korrespondierenden Einzellüftern (Leistung je 2,5 W) pro Wohnung. Dadurch ist in allen Wohnungen eine sanfte Querlüftung mit Wärmetauscher im Einsatz, die auf der niedrigsten Stufe (von drei Stufen) kaum wahrnehmbare Entfeuchtung und einen minimalen Luftaustausch gewährleistet. Eine Servicevereinbarung wurde für die jährliche Wartung dieser Geräte abgeschlossen, die auch eine Inspektion der Wohnungen auf möglichen Schimmelbefall beinhaltet.
Spezifische Einzelmaßnahmen
Eine Feuchtigkeitsuntersuchung ergab, dass es an verschiedenen Stellen im Erdgeschoss Undichtigkeiten gegenüber dem Terrain gab, die bei Regen zu lokaler Feuchtigkeitseinwirkung in die Mauern führten. Diese Stellen wurden bei der Planung erfasst und im Rahmen der Sockel- und Perimeterdämmung sorgfältig abgedichtet. Die beiden undichten und schlecht isolierenden Haustüren wurden ebenso ersetzt wie alle defekten Glaselemente in den Treppenhausverglasungen. Oberflächensanierungen an den Eingangstreppen und -dächern führten schließlich dazu, dass die beiden Gebäude auch optisch wieder einladend wirken. Anstatt sie erneut zu überstreichen, wurden die alten abblätternden Anstriche entfernt und neu aufgebaut.




